Ist eine Dynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) sinnvoll?

Ist eine Dynamik in der Berufsunfähigkeitsversicherung (BU-Versicherung) sinnvoll?

 

Im Bereich der Berufsunfähigkeitsversicherung gibt es zwei Arten von Dynamik. Eine sogenannte Beitragsdynamik und die Leistungsdynamik.

 

1.Die Beitragsdynamik (bis zum Eintritt des Versicherungsfalles)

Bei einer Beitragsdynamik wird der Beitrag jährlich um einen festen Prozentsatz zum Beispiel um fünf Prozent erhöht. Die Höhe der Dynamik wird zu Beginn einmalig und gleich für die gesamte Dauer des Vertrages festgelegt.

Es handelt sich hierbei um einen optionalen Baustein, welcher eingeschlossen werden kann, aber nicht muss. Bei den meisten Anbietern kann die jährliche Erhöhung zwischen 3 und 10 Prozent liegen.

Durch die Beitragsanpassung steigt natürlich auch die versicherte Berufsunfähigkeitsrente (BU-Rente) weiter an. Bitte beachten Sie aber, dass die BU-Rente nicht um den exakt gleichen Prozentsatz ansteigen wird.

Die aus der Beitragserhöhung resultierende Rentenerhöhung hängt viel mehr von dem Alter der versicherten Person und dem Bedingungswerks des Versicherers ab.

Einige Gesellschaften berechnen die Erhöhung nämlich anhand der bei Abschluss des Vertrages gültigen Tarifierungsgrundlage (Ursprung) und andere greifen auf die zu dem Zeitpunkt der Erhöhung gültigen Rechnungsgrundlage zu (meist schlechter).

Lohnt sich eine Beitragsdynamik bei der BU-Versicherung überhaupt?

Durch die Beitragsdynamik kann eine  Erhöhung der Berufsunfähigkeitsrente ohne erneute Gesundheitsprüfung stattfinden. Die Erhöhung kann zudem als Inflationsausgleich dienen, was bei einem Vertrag mit meist recht langen Laufzeiten durchaus sinnvoll ist.

Eine BU-Rente von 2.000 € monatlich hat in 10 Jahren zum Beispiel nur noch eine Kaufkraft von 1.660,12 €  und nach 20 Jahren können Sie dafür sogar nur noch Waren im Wert von 1.378,01€ kaufen. Zugrunde gelegt wurde bei der Berechnung die offizielle Inflationsrate der letzten 25 Jahre des statistischen Bundesamt, welche bei 1,88%. lag.

Muss ich eine dynamische Anpassung annehmen?

Nein. Sie können jedes Jahr neu entscheiden, ob Sie die dynamische Anpassung für Ihren Vertrag annehmen möchten, oder nicht. Der Versicherer schreibt Sie an und Sie können in dem Dokument gut erkennen, wie sich die Zahlen durch die Dynamik verändern würden.

Sie können die Zahlen prüfen und dann in Ruhe entscheiden, ob Sie in dem Jahr die dynamische Anpassung für die Berufsunfähigkeitsversicherung annehmen, oder doch lieber widersprechen möchten. Für den Widerruf reicht auch ein formloser Einzeiler mit Unterschrift, welchen Sie innerhalb von 6 Wochen nach Erhalt des Schreibens an den Versicherer senden sollten.

Bei vielen Gesellschaften können Sie jedoch maximal zwei Mal hintereinander der dynamischen Beitragsanpassung widersprechen, Beim dritten Mal müssen Sie diese annehmen, wenn Sie das Recht auf Erhöhung nicht dauerhaft verlieren möchten.

Aber auch hier gibt es Unterschiede. Einige Gesellschaften geben Ihnen auch hier den maximalen Freiraum und Sie können jedes Jahr neu entscheiden, wie Sie vorgehen möchten. Sie könnten also beliebig oft die dynamische Anpassung ablehnen und dann wieder beliebig oft annehmen – ganz wie es für Sie passt.

  

2.Die Leistungsdynamik (ab Beginn des Leistungsfalls)

Wenn der Leistungsfall eintritt und Sie eine Berufsunfähigkeitsrente beziehen, dann kann die Bezugsdauer der Rente sich ebenfalls noch über Jahrzehnte erstrecken. Aus diesem Grunde stellt sich auch hier die Frage, ob die BU-Rente ab Leistungsbeginn inflationsgeschützt ist, oder Sie zukünftig einen dauerhaften Kaufkraftverlust erleiden werden.

Im Leistungsfall wird Ihr Vertrag beitragsfrei fortgeführt und Sie erhalten eine Berufsunfähigkeitsrente. Der Versicherer verwendet zudem einen Teil seiner erwirtschafteten Überschüsse dazu Ihre Rente jährlich zu erhöhen.

Die Höhe der Überschussbeteiligung darf die Versicherungsgesellschaft aus gesetzlichen Gründen aber immer nur für ein Kalenderjahr garantieren.

Da wir uns in einer langanhaltenden Niedrigzinsphase befinden, werden die Überschüsse der Versicherungsunternehmen zukünftig weiter sinken.  In der Folge werden auch die nicht garantierten Rentensteigerungen Ihrer Berufsunfähigkeitsrente zukünftig geringer ausfallen.

Wenn gewünscht können Sie hier aber aktiv mit dem kostenpflichtigen Baustein „garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall“ gegensteuern.

Dieser optionale Baustein sorgt dafür, dass Ihre Berufsunfähigkeitsrente im Leistungsfall jährlich garantiert um einen vorher vereinbarten Prozentsatz (meist zwischen 1und 3%) steigt. Auf diese Weise können Sie die fallende Überschussbeteiligung der Versicherer auffangen.

 

Als Beispiel:

nicht garantierte Rentensteigerung                      1,8 % (schwankt und wird vermutlich zukünftig sinken)

 + vereinbarte garantierte Rentensteigerung      1,5 % (garantierter fester Prozentsatz pro Jahr)


Erhöhung der BU-Rente in dem Jahr um               3,3 %

Ob Sie den Baustein „garantierte Rentensteigerung im Leistungsfall“ dauerhaft in Ihrem Vertrag integriert haben möchten, müssen Sie bereits bei Antragsstellung entscheiden, da dieser auch mit einem kleineren Beitragsaufschlag verbunden ist.

 

Ist dies denn wirtschaftlich sinnvoll?

Leider kann man dies im Vorfeld nicht genau berechnen, da heute noch nicht klar ist, ob und wann der Leistungsfall eintritt und wie lange dieser dauern wird.

Beziehen Sie eher früh eine Rente aus Ihrer Berufsunfähigkeitsversicherung und diese auch über mehrere Jahre, so rechnet es sich definitiv. Sollte Sie erst mit 60 Jahren das erste Mal eine Rente beziehen, dann vermutlich eher nicht.

Versicherungen sind eben eine Wette.

 

Wir erachten das Preis- und Leistungsverhältnis des Zusatzbausteins Leistungsdynamik im Bereich der Berufsunfähigkeitsabsicherung aber gerade bei längeren Laufzeiten als interessant und würden daher eher dazu, als abraten.

 

Fazit

Die Beitragsdynamik ist eine kostenlose Option und Sie können jedes Jahr neu entscheiden, ob Sie die Erhöhung wünschen, oder nicht. Je nach Anbieter müssen Sie lediglich im dritten Jahr das Angebot annehmen, wenn Sie das Recht auf dynamische Anpassung nicht dauerhaft verlieren möchten.

Da Sie mit dem Einschluss der Beitragsdynamik keine Verpflichtungen eingehen und diese als Inflationsausgleich dienen kann, empfehlen wir diese ruhig in jeden Vertrag zu integrieren.

Bei der Leistungsdynamik hingegen lässt sich eine solche Pauschalaussage kaum treffen, da hier immer mehrere Faktoren mit reinspielen. Hierzu gehören Dinge wie Alter bei Antragsstellung, Leistungsdauer, Höhe der Rente, finanzielle Mittel und persönliche Erwartungen.

Da zudem heute noch nicht klar ist, ob, wann und wie lange der Leistungsfall eintreten wird, kann auch keine Wirtschaftlichkeitsberechnung angestellt werden. Hier lohnt es sich mit einem qualifizierten Berater in den Dialog zu gehen, um für sich die individuellen Vor – und Nachteile der einzelnen Optionen zum Kaufkrafterhalt rauszuarbeiten.

 

 

 

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